05.09.2014

Verzerrung der Musik: Die schmerzende Wahrheit über die Entwicklung des Sounds

Ein Musiker ist nicht nur der Mensch, den man durch die Lautsprecher singen oder spielen hört. Er ist der Mensch, der vor dem Veröffentlichen eines Albums sein Herzblut in die Sache steckt. Alles fängt beim Songwriting an. Ein Musiker legt all sein Gefühl in das, was er tut. Und gibt sich nicht nur die Mühe, ein besonders gutes Album zu schreiben, sondern auch, dieses so gut wie möglich klingen zu lassen. Sänger probieren unzählige Mikrofone aus, um zu testen, welches ihre Stimme am besten zur Geltung bringt, Gitarristen spielen mit allen möglichen Instrumenten herum, bis sie genau das finden, das den Sound abgibt, den sie sich wünschen. Ein Schlagzeuger wird alle auf dieser Welt existierenden Trommeln ausprobieren, dazu alle möglichen Schlagfelle, diese verschieden gespannt, und das für zehn bis zu 20 Trommeln, eine nach der anderen. Ich könnte noch ewig weitermachen.

Alles soll so klar, echt und persönlich wie möglich klingen. Das Ergebnis ist am Ende ein hochwertiges musikalisches Erlebnis. Jedes Instrument klingt echt und man hört die Leidenschaft im Gesang, man spürt den Beat und den Bass. Das, liebe Leser, bei einer Bitrate von 1411 kbit/s. Das ist CD ROM-Qualität. Und ich höre es immer wieder. "Wer kauft denn heutzutage noch CDs?" "Ich", antworte ich darauf und werde fast jedes Mal belächelt. Sei alles zu teuer, nehme Platz weg und Musik im MP3-Format wäre die Zukunft.
Ich habe es irgendwann aufgegeben, den Leuten zu erklären, warum es wichtig ist, CDs zu kaufen.

Seit heute kommt noch ein weiterer Aspekt zu meiner Argumentation.


"Nobody knows, nobody cares"


Ich wette, dass ganz viele von denen, die Musik als MP3-Dateien auf ihrem PC oder Smartphone haben, nicht wissen, welche Qualität diese hat, noch mehr von ihnen interessiert es auch gar nicht, Hauptsache Musik, am besten schnell mit einem Klick heruntergeladen, ach ja, und kosten soll es auch nichts.
Ich verrate euch mal etwas. Eine MP3-Datei hat eine Bitrate von 128 kbit/s. Gut zehn Mal weniger als eine CD ROM. 90 Prozent des Songs geht damit verloren.


Einfach herausgeschnitten - Musik ohne Gefühl


Es ist hochinteressant, was eine Komprimierung mit einer Musikdatei im Grunde genommen anstellt.
Technisch ausgedrückt sieht es wie folgt aus: Musik ist nichts anderes als Bewegung, Wellenbewegung genauer gesagt. Wer schon einmal selbst Musik aufgenommen hat, sei es Gesang oder Instrumente, weiß, was ich meine. Dargestellt wird sie als ein Block mit einem horizontalen Strich in der Mitte, von dem die Bewegung ausgeht. Bei leisen Geräuschen entsteht eine kleine Welle, die nach oben und nach unten gleichermaßen angezeigt wird, bei lauten Tönen eine große. So entsteht eine lange Welle. Bei einer Komprimierung wird der obere und untere Teil einfach herausgeschnitten. Das hat zur Folge, dass ein Ton nicht völlig zur Geltung kommt. In Real Life sieht es so aus: Gefühl im Gesang geht verloren, Drums klingen größtenteils gleich, Bass ist kaum hörbar. Kleine Elemente sind gar nicht mehr richtig hörbar. Das wunderbare Erlebnis geht mit der niedrigen Qualität verloren.

Komprimierte Musik bringt nicht die gleiche Emotion rüber wie die Original-Qualität. Manche werden es für kleinlich halten, aber ich bin überzeugt davon. Ich bekomme immer wieder mit, sei es durch das Internet oder persönlich, wie Menschen überzeugt davon sind, dass man den Unterschied zwischen 320 kbit/s und Original-Sound, sprich 1411 kbit/s, nicht heraushören kann. Aber da ist ein ganz klarer Unterschied. Ich habe es selbst ausprobiert.


Der Selbsttest


Ich habe Songs gezielt auf Soundqualität verglichen: einmal die AAC-Datei mit 256 kbit/s und vom gleichen Song die FLAC-Datei (Free Lossless Audio Codec). Ich kann euch mit Überzeugung sagen, dass Welten dazwischen liegen. Nehmt einen Song, den ihr abgöttisch liebt, aber immer nur in MP3-Qualität (oder auch WMA und AAC) gehört habt. Das habe ich auch gemacht. Hört ihn euch in Original-Bitrate an.
Bei mir sind fast Tränen geflossen. Ich habe auf einmal jeden Schlag genau gehört, jeden Riff auf der Gitarre. Der Gesang hat sich unglaublich gefühlvoll und klar angehört. Jedes Nachhallen eines Akkords und die Basslinien waren klar hörbar. Aber nicht nur das. Der ganze Song klang größer, echter, emotionaler.



Musik wird wertlos

Aus all dem kann man eine klare Schlussfolgerung ziehen: Musik wird weniger wert. MP3-Dateien sind kleiner, praktischer und einfach herunterzuladen. Musiker stecken monatelange Arbeit und Leidenschaft in das Endprodukt und die Masse streamt ihre Alben, zahlt nicht einen Cent dafür und hört alles auch noch in schlechter Qualität.
Der Musiker fragt sich in dem Moment, warum er sich überhaupt so viel anstrengt, hochwertig klingende Musik abzuliefern. Kann man ja alles mit den billigsten Mikrofonen aufnehmen, am Ende klingt alles gleich. Dann spart man auch noch Geld.
Würden Musiker so denken, wäre Musik nicht mehr das, was sie einmal war. Sie sind noch diejenigen, denen etwas an der Musik an sich liegt.

Ich arbeite jeden Tag mit Musik. Ich sehe, wie sich vor allem das Genre Metal weiterentwickelt. Aber um Genres geht es hier auch gar nicht. Sei es Jazz, Pop, Country, Hard Rock oder Progressive Death Metal - Musik ist etwas fürs Herz und hilft uns durchs Leben. Sie verdient es nicht, ihren hohen Wert zu verlieren.

Leider gibt es zu viele Menschen, die sich dafür nicht interessieren, die nur schnell konsumieren wollen und einen Song wieder löschen, wenn er nicht mehr aktuell ist. Das ist nicht die Art und Weise, wie man mit dem Produkt harter Arbeit umgehen sollte.
Es sind aber nicht nur die Konsumenten, die die Schuld tragen. Heutzutage wird alles bunt und modern verpackt, damit es verkauft werden kann. Hochwertig aussehende Kopfhörer, oder vielleicht ganz coole in Neonfarben, schicke, schlanke Laptops und kleine, praktische Boxen. Zu alles gut, nur zum Musik Hören nicht. Solches Equipment verschlechtert die Soundqualität nochmals. Wir schauen uns ein Gemälde durch super-moderne, beschlagene Gläser an. Lesen Bücher, von denen jede vierte Seite fehlt. Wir werden, auf gut Deutsch gesagt, verarscht.


Die Lösung


Wir werden es nicht von heute auf morgen schaffen, dieses Problem, nämlich die Komprimierung und somit die Entwertung von Musik, zu bekämpfen. Aber es soll allemal ein Gegentrend entstehen. Firmen sollen verstehen, dass sie uns keine Musik mit niedriger Bitrate mehr verkaufen sollen. Wir müssen aufhören, uns veräppeln zu lassen, genauso wie der Künstler dadurch respektiert werden soll.

Diesen Gegentrend schaffen wir genau durch das, was ich schon seit Jahren tue: Nämlich CDs kaufen. Dadurch erkennt man den wirklichen Wert von Musik und den Arbeitsprozess hinter der Musik.
Zusammen können wir es schaffen, dass Musik hören wieder zu einem einmaligen Erlebnis wird.


Die Quelle


Die Dokumentation "The Distortion Of Sound" zeigt genau dieses Problem auf. Dabei werden wichtige Musiker wie Mike Shinoda, Kate Nash oder Lianne La Havas und Produzenten wie Quincy Jones interviewt, um einen besseren Einblick in die Thematik zu ermöglichen.