24.11.2013

Album Review | TARJA - Colours In The Dark

Veröffentlichung: 30. August 2013
Genre: Symphonic Metal, Melodic Rock

Als ich hörte, dass Tarja ein neues Album rausbringt, war ich nicht so aufgeregt wie manch andere. Als ich es dann am Erscheinungsdatum zufällig in die Hände bekam, dachte ich mir "Ok, anhören schadet nicht".
Das Probehören im Laden hat mich restlos überzeugt. Es war frisch, und vor allem anders als Nightwish. Es war ganz schön, Tarja mal ohne kitschige Keyboards zu hören. Ich kaufte das Album sofort.
 Danach habe ich es mir immer wieder angehört. Nicht in Dauerschleife. Aber trotzdem immer mal wieder. Und erst jetzt finde ich, dass ich mir wirklich eine Meinung dazu bilden konnte.

Anfangs war ich sehr euphorisch und begeistert von diesem Album. Ich dachte nur "Hut ab vor Frau Turunen, die so etwas Tolles erschaffen hat". Aber jetzt hat sich das ein wenig geändert.
Die liebe Frau Turunen ist Sängerin, Pianistin, Songwriterin und so weit ich weiß auch Produzentin von Colours in the dark. Aber in erster Linie Sängerin. Denn mit dem Songwriting hat sie es wohl nicht ganz so raus. Ich frage mich wirklich, wie viele Songs sie auf diesem Album überhaupt selbst geschrieben hat. Und von Orchesterarrangements brauch ich ja gar nicht anzufangen. Das macht sie nicht selbst. Zwar enthält Colours in the dark mehr Songs, die mich wirklich über längere Zeit überzeugen konnten, aber insgesamt ist nicht alles, was Tarja anfasst, zu Gold geworden. So war es in der Vergangenheit und ist gegenwärtig so geblieben. Außer I Walk Alone, What Lies Beneath und Oasis (live) halte ich ihre früheren Werke für eher unspektakulär. Ich wünsche mir nicht, dass Tarja wieder zu Nightwish geht, aber bei Nightwish kam ihre gesamte Stimme zur Geltung. Es ist fast schade, dass das bei ihren Soloalben nicht immer der Fall ist.

Analysieren wir mal das Ganze. Das Album enthält 10 Songs. Eins davon ist das Peter Gabriel-Cover Darkness, was sofort überzeugt. Das Duett mit Justin Furstenfeld Meduse gefällt mir wirklich gut, die beiden Stimmen passen einfach super zusammen. Auch die Backing-Vocals gefallen mir hier sehr gut. Es ist, Gott sei Dank, nur eine richtige Ballade drauf, die bei mir schon einmal nicht eingeschlagen hat. Der Opener Victim Of Ritual ist schon ein wenig odd, aber nicht schlecht und durchaus gut gelungen, vor allem die Vocals scheinen hier endlich mal am richtigen Platz zu sein. Die zweite Single 500 Letters ist, genauso wie Never Enough, zu eindeutig geschrieben. Ja, Tarja, wir wissen, dass du ein Problem mit Floor zu haben scheinst. Dass Songwriting zur Gefühlsverarbeitung gehört, sollte uns allen bekannt sein, aber das reicht auch schon wieder. Obwohl Never Enough musikalisch doch ganz gut ist, für Tarjas Verhältnisse heavy und auch die Melodie klingt gut. Lucid Dreamer und Mystique Voyage sind beides Songs, die sehr in die Länge gezogen wurden. Kompakter würden sie wohl viel besser zur Geltung kommen. Versteht mich nicht falsch, ich mag vor allem Mystique Voyage, teilweise aufgrund der Sprachwechsel und dem schönen Text. Bei Lucid Dreamer regt mich das Interlude mittendrin einfach nur auf, es tut mir Leid. Weiter zu Deliverance, ein Song mit viel Orchester-Unterstützung, es ist ein wenig zu viel des Guten. Es bleibt dann nur noch Neverlight, und Neverlight ist mein Lieblingssong auf der Platte. Liegt vielleicht daran, dass er neben Never Enough der heavieste ist.

Colours in the dark wäre vielleicht besser geworden, wenn die Songs nicht so in die Länge gezogen worden wären. Wirklich, teilweise zweiminütige Interludes am Anfang, in der Mitte oder am Ende sind zu viel des Guten. Aber ohne das wäre es nicht Tarja. Tarja ist halt ein wenig übertrieben, was die Musik angeht. Aber sie darf das ja. Wäre ja alles schön und gut, wenn die Produktion nicht so schlampig geworden wäre. Die Instrumentalparts klingen qualitativ wirklich nicht allzu gut. Ist echt schade drum.

Insgesamt würde es mich eher freuen, wenn der Fokus auf Tarjas einzigartige Stimme gesetzt werden würde, auch in Zukunft, und nicht auf die Instrumentalparts. Es ist ein Soloalbum, und ich finde eben, dass ein Soloalbum auch wie eins klingen sollte.
Außer man heißt Tarja Turunen. Dann kann man natürlich alle Regeln über Bord schmeißen und es klingt sogar gut. Ja, verdammt. Das Album ist gut. Es hat seine Schwächen. Aber das hier ist Tarja. Und Tarja ist Tarja. Und Frau Turunen biegt allein mit ihrer Existenz schon alles hin.

Wertung: 6/10
Highlights: Medusa, Victim Of Ritual

Colours In The Dark auf..
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