08.12.2013

Album Review | DREAMLAND - Exit 49

Veröffentlichung: 25. September 2009
Genre: Power Metal

"Hach, Dreamland" dachte ich bis jetzt immer, unterstützt von einem Seufzer, als ich mir mal ab und zu eine Herzschmerz-Powerballade der schwedischen Melodic Metaller von Dreamland anhörte. Mit der gefühlvollen, leicht rauen Stimme des Frontmannes Jake E, die richtig schön auf die Tränendrüse drückt, den tollen, eher einfach gehalteten Texten und den eingängigen Gitarrenmelodien haben mich diese Jungs tatsächlich dazu gebracht, ein paar ihrer Songs wirklich zu mögen.
Die Balladen "Worlds Apart" und "Fade Away" sind bei mir abwechselnd in der Dauerschleife gelaufen. Da hatte ich niemals gedacht, dass Dreamland auch richtig rocken können. Jawohl, richtig gelesen.

Mit wenig Experimenten haben Dreamland mit "Exit 49" eine passable Platte auf den Markt gebracht, die man gut dem Power und True Metal-Genre zuschreiben kann. Vor allem in diesem Subgenre ist schon viel passiert und kaum eine Band wird da noch etwas Neues und Innovatives herausbringen können. Der Opener "With A Touch Of Evil" hat mich gleich sehr überrascht, da ich nicht wirklich gedacht hatte, dass Dreamland so gut rocken könnten. Kommt eben davon, wenn man nur die Balladen hört, was? Der zweite Track geht schon eher in die Power Metal-Richtung, was man gleich vom ersten Takt an hört. Insgesamt beherrschen die Herren aus Skandinavien ihr Handwerk, die Riffs sitzen, der Beat sitzt, die Vocals sitzen. Also passt die Basis schon einmal.

Die Texte sind sehr persönlich, größtenteils von Sänger Jake E geschrieben, der anscheinend seine Frauengeschichten mit der Musik verarbeitet. Allerdings schafft er es, die Texte zwar direkt und offen zu schreiben, allerdings auch nicht zu eindeutig oder im übertriebenen Erzählstil. Zum Gesang an sich: Ich will ja ehrlich sein. Anfangs kannte ich Jake nur von Amaranthe und da habe ich ihn als eher unfähigen Sänger abgestempelt. Erst mit der Zeit habe ich wirklich angefangen zu verstehen, dass der alte Schwede wirklich was draufhat außer Gitarre spielen, schmalzige Texte schreiben und live ein wenig dissonant klingen. Seine Stimme hat sich mit den Jahren einfach sehr entwickelt, jetzt hat der liebe Jake richtig gute, kraftvolle Töne in seinem Repertoire, Töne, die im kontrollierten Falsett gesungen werden. Und ganz ehrlich, ich bin stolz auf ihn.
Auch auf diesem Album hört man auf jeden Fall eine Weiterentwicklung heraus, was die hohen, epischen Töne angeht. Jetzt fang ich doch nicht wirklich an, den Typen zu mögen, oder? Tja. Doch.
Auf dem ganzen Album gibt es auch Backing-Vocals, von der ganzen Band und von Gastmusikern, wie zum Beispiel auch Andy Sölvestrom, den man sofort als diesen durch seine Growls identifizieren kann.

Gitarre und Schlagzeug klingen ganz typisch Heavy/Power-Metal-mäßig, also oft auch mal Riffs oder Beats, die wir alle schon von Stratovarius oder auch Iron Maiden kennen. Sie klingen also episch, melodiös, krachen aber trotzdem ordentlich und gehen ins Ohr. Den Bass kann ich nicht so gut als eigenständiges Instrument wie zum Beispiel bei Nightwish heraushören, aber er unterstützt das Schlagzeug in jedem Fall ordentlich.

Insgesamt gefällt das Album, aber etwas Neues haben Dreamland hier nicht erschaffen. Aber da sind sie nicht selbst dran schuld, finde ich. Sie sind in einem Genre, in dem man eben immer sehr ähnliche Sachen zu hören bekommt. Driftet man ein wenig ab, geht man dann eben oft in die Symphonic- oder Progressive-Richtung. Die Jungs bleiben ihrem Stil treu, und da darf man auch nicht sehr viel Innovation erwarten. Da ist es eher wichtig, dass alles sitzt und es zum Mitsingen reißt. Und das machen Dreamland gut. Denn ihre Songs sind auf keinen Fall zu geradlinig oder gar überarbeitet. Es ist schön zu sehen, dass es heutzutage noch eher neue Bands gibt, die nicht auf Teufel komm raus etwas ganz Neues und Modernes machen müssen. Das freut sicher die klassischen Heavy Metaller, die mit Sachen wie die Göteborger Schule zum Beispiel nichts anfangen können. Wenn sie aber noch ein wenig eigenständiger werden würden und nicht so sehr abhängig von ihren Einflüssen, dann könnten sie noch besser werden, als sie ohnehin schon sind.

Wertung: 7/10
Highlights: With A Touch Of Evil, Worlds Apart, Exit 49

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