04.01.2014

Album Review | THE AGONIST - Prisoners

Veröffentlichung: 4. Juni 2012
Genre: Melodic Death Metal/Metalcore

Meine erster Gedanke, als ich The Agonist zu hören bekam, war "Was? Das ist 'ne Frau, die da schreit? Wie zum Henker geht das?" Ja, Alissa White-Gluz ist schon eine echt krasse Sau, das muss man ihr lassen. Und wenn ihr mich fragt auch eine der besten Sängerinnen in dem Genre.
Auch auf dem letzten Album sieht es nicht anders aus. Allerdings sieht man hier eine eindeutige Weiterentwicklung der gesamten Band. Allerdings nicht in die Metalcore-Richtung, denn da gab es bei ihnen schon fast nichts mehr zum Berichtigen. Man hört jetzt einfach mehr Einflüsse, teilweise Jazz, teilweise ein wenig Black Metal, ein paar Akustik-Parts. Alles strukturiert, weniger chaotisch, ja, sogar irgendwie erwachsen klingt dieses Album.
The Agonist haben lange daran gearbeitet, und das hört man auch. Allerdings ist mir alles schon fast zu perfekt. Ich mag die Art und Weise, wie sie ihre alten Nummern richtig schön durch den Dreck gezogen haben, Drums, Bass, Gitarre, Growls, einfach alles auf einmal, und diese Band ist so gut, dass sie es sogar auf die Reihe bringt, Chaos genial klingen zu lassen, und dieses Chaos steht ihnen so unheimlich gut.
Allerdings hört man auf "Prisoners" ein paar sehr interessante Solos, wie das am Ende von "You're Coming With Me" oder das Anfangssolo von "Everybody Wants You (Dead)". Eine einzige Sache stört mich, das sind die ganzen cleanen Harmonien der Sängerin, die es hier eindeutig übertreibt. Und insgesamt halte ich die cleanen Gesangsparts nicht mehr so gelungen wie auf dem zweiten Album "Lullabies For The Dormant Mind", was meinem Gehör nach daran liegt, dass Alissa zu sehr alle hohen Töne hochschreit. Also, richtig schreit. Was die Growls angeht, bin ich sehr von "Panaphobia" oder "Revenge Of The Dadaist" beeindruckt. Auch hier finde ich die Growls und Screams vom zweiten Album gelungener. Allerdings wirken viele Songs von "Prisoners" so, als wären sie als Live-Tracks konzipiert worden, und da kann man nicht so viel mit überlappenden Growls und ähnliches arbeiten. (Wobei The Agonist auch da eine Lösung gefunden haben: Ein Gitarrist erledigt Background-Growls, die vor allem bei Nummern wie "Thank You Pain" oder "You're Coming With Me" eingesetzt werden.)

Was soll ich sagen: Das Album ist gut, keine Frage. Es gibt richtig eingängige Songs auf der Platte. Eigentlich war es schon klar, dass die Kanadier diesen Weg einschlagen würden, nachdem sie in der Metalcore- und Blackened Death Metal-Richtung alles richtig gemacht haben. Keiner will schließlich das gleiche Album nochmal. Seele hat's. Melodie hat's. Aber zwei entscheidende Dinge fehlen mir: Der Nackenbruch-Faktor und eine gute Portion Dreck.

Wertung: 6/10
Highlights: Panaphobia, Everybody Wants You Dead, Revenge Of The Dadaist