16.05.2014

Album Review | TIMO TOLKKI'S AVALON - Angels Of The Apocalypse

(c) Napalm Records
Veröffentlichung: 16. Mai 2014
Genre: Symphonic Power Metal

Ohne nur mit der Wimper zu zucken, klickte ich auf den ersten Track von "Angels Of The Apocalypse", als ich heute meine Spotify-Benachrichtigung bekam, und erwartete ungefähr so viel Vergnügen wie von einem Paukwochenende für naturwissenschaftliche Arbeiten. Gut, vielleicht ein wenig mehr. Aber ihr versteht mich.
Der Vorgänger "The Land Of New Hope" war ja ein regelrechter Flop, das einzig richtig Gute waren Elize Ryds Vocals, die man einfach nicht vergessen kann. Nachdem ich die erste Single vom neuen Album anhörte, war für mich schon klar, auf welchem Level wir uns 2014 mit dem neuen Album befinden. (mein Review hier lesen)
Ich empfinde es als regelrecht schwierig, dieses im Allgemeinen schwache "Werk" zu beschreiben. Aber ich kann meine Gedanken auch nicht unausgesprochen lassen.

So gut wie das ganze Album, einschließlich jedem Instrument und 80% des Gesangs, leidet unter dem uninspirierten Songwriting und der gut gemeinten, aber schlampig umgesetzten Produktion. Das alles fängt schon bei der Basis an. Dass Timo Tolkki Gitarrist (und Multi-Instrumentalist) ist, wissen wir, aber wenn man sich das anhört, was er da mit seiner Gitarre produziert hat, da tun einem irgendwie schon die Ohren weh: 08/15-Gitarrenriffs, die absolut keiner ohne angestrengt mit Kopfhörern hinzuhorchen heraushört und ab und zu ein paar schön herausgeputzte Solos, die alles noch irgendwie vor der endgültigen Einöde retten, ziehen sich durch den Longplayer. Das Bassspiel wird schon fast dem Bass-Stereotypen, der in Witzen immer wieder aufgegriffen wird, gerecht. Ein paar Takte lang den gleichen Ton zu spielen fördert diese Monotonie nur noch mehr. Und schließlich die Drums, die entweder total unpassend, schwach, mechanisch, ungünstig abgemischt und an ein paar wenigen Stellen ganz nett klingen. Und das alles scheppert im gleichen Rhythmus vor sich hin, ohne Off-Beats, unterstützt von den allgegenwärtigen Keyboards, die auch nichts besser machen.
Geht man weiter zu den interessanten Dingen wie Chören und Effekten, wird es noch schlimmer. Ich habe noch nie so schlecht eingesetzte Chöre gehört, die vor sich hin rauschend uninspiriert irgendwelche Oktaven-Töne zum Keyboard von sich geben. Außerdem wirkt jedes Effekt, das verwendet wurde, um dem Album anscheinend mehr Abwechslung zu schenken, nur nervig und fehl am Platz. Einmal wurde eine politische Rede eingebaut, bei der ich ernsthaft das Gefühl hatte, dass auf einer beliebigen Website irgendwelche Werbung aufpoppt. Dann gibt es ein paar Pausen, die man normalerweise gerade bei spannungsgeladenen Passagen einsetzt, um diese Spannung noch mehr zu erhöhen - aber völlig deplatziert eingesetzt auf diesem Album. Was ganz gut gelungen ist, sind die Übergänge der Songs, die sozusagen ineinander fließen. Relativ gut. Aber vielleicht hatte Herr Tolkki keine Kraft mehr, noch Endings zu basteln, weil er doch fast auf den Tag genau in einem Jahr fertig sein musste. Von jemandem, der jedes Jahr ein Album veröffentlicht, von dem kann man nicht zu viel erwarten ...

Der Gesang auf "Angels Of The Apocalypse" ist durchaus sehr abwechslungsreich. Von schrecklichen Power-Metal-Sängern wie Fabio Lione (Der sollte doch tatsächlich zu Kamelot! Da weiß ich Tommi Karevik noch mehr zu schätzen ...) oder David DeFeis, bei dem ich nur so das Gesicht verziehe, wenn er singt, bis zu meinen Lieblingssängerinnen Floor Jansen und Elize Ryd, die wirklich die einzigen Gründe waren, warum ich mir das alles überhaupt angetan habe, haben wir die größten Extremen überhaupt.
Nicht zuletzt ist der Backgroundgesang teilweise recht dissonant, zu laut, fast so laut wie der Leadgesang und unglaublich nervig.
Ein paar orchestral unterstützte Passagen haben wir auch, die einfach total untergehen. Auch ein paar moderner angehauchte Parts gibt es, die dem ganzen Mist noch eins drauflegen. Es gibt alles und nichts sticht heraus. Halt, stopp, die Solos. Na klar. Es heißt ja auch "Timo Tolkki's Avalon". Die hat man natürlich fein herausgearbeitet.

Worauf es jetzt die zwei Punkte gibt, wollt ihr wissen? Ganz einfach. Die Balladen klingen verhältnismäßig recht nett. Vor allem, wenn man vier verschiedene Sängerinnen im Spiel hat. Auch diese Songs sind aber eher langweilig und recht voraussehbar. Entweder eine kitschige Klavier-Ballade oder eben Soprangesang auf Keyboard-Melodien. Zumindest stimmt der Gesang bei Floor Jansen, Simone Simons und Elize Ryd auf den Tracks "You'll Bleed Forever" oder "High Above Me". Auch der neun-minütige Song "Angels Of The Apocalypse" lässt sich zumindest ein paar Minuten lang anhören. Wegen den Vocals und nicht wegen irgendetwas anderem, damit wir uns verstehen.
Auch die Story ist an sich "ganz nett", mit den vier Engeln, die nach den Elementen Wasser, Luft, Feuer und Erde benannt wurden ... nun ja.

Dieses Pseudo-Symphonic Power Metal-Album klingt nach gewollt und nicht gekonnt. Nach so vielen Jahren als bedeutender Power Metal-Gitarrist ist das hier einfach keine Leistung von Tolkki. Einigen wir uns darauf, dass ihr mir glaubt und euch die 50 Minuten nicht antut. Oder, ich habe euch so neugierig gemacht, dass ihr es trotzdem hören wollt. Nur zu. Kein Gewähr dafür, dass ihr damit zumindest 30 Minuten eures Lebens vergeudet.

Wertung: 2/10
Highlights: High Above Me