17.05.2014

Album Review | INSOMNIUM - Shadows Of The Dying Sun

Veröffentlichung: 25. April 2014
Genre: Melodic Death Metal

Insomnium - ich weiß gar nicht mehr, wer mich damals auf diese Band gebracht hat. Es könnte gut meine nette Freundin gewesen sein, die mich gestern noch auf das Album "Shadows Of The Dying Sun" angesprochen hat. Ich fand die Band eigentlich vom ersten Anhören an gut, aber wie bei so vielen Bands habe ich sie einfach als gut abgestempelt und meine Euphorie war auch schon wieder verflogen. Wie gut, dass sie sich dieses Jahr mit einem neuen Album gemeldet haben. Ich weiß, ich bin ein wenig spät dran, aber besser jetzt, als gar nicht mehr. Wäre zu schade um das gute Stück.
Schon vom ersten Song an wusste ich, dass dieses Album gut wird. Schließlich habe ich die älteren Alben teilweise stundenlang gehört, ohne die Musik abzuschalten. Ich war regelrecht gefangen von der Musik. Aber ihr kennt mich: Mein Gehirn braucht immer ein paar Wochen bis Monate, um zu kapieren, dass es etwas liebt.

Irgendwie, fragt mich nicht wie, schaffen Insomnium es, sich Album für Album neu zu definieren und trotzdem sich selbst und ihrem originellen Sound gerecht zu bleiben. Ich hatte doch keine Ahnung, wie melodisch Death Metal klingen kann, und dann auch ohne, dass die Härte dabei untergeht. Wir wissen mittlerweile alle, wie schwierig es ist, sich im Jahr 2014 in der skandinavischen Melodic Death Metal-Szene mit Hilfe einer gewissen Authentizität abzuheben. Ich erwähne das in jedem Review, das ich in diesem Genre veröffentliche. Bei Insomnium wird es durch perfekt abgestimmte Tempowechsel von relativ balladenähnlichem Feeling bis zu dämonisch schnellen Black Metal-Rhythmen, die das Album nicht in Melancholie versinken lassen, sondern diese noch brutaler und intensiver machen, schlichtweg nie langweilig.
Nicht zu verachten sind die Drums, die jede einzelne Aussage eines Songs, egal ob aggressiv, spannungsgeladen, -aufbauend oder sogar depressiv, verstärken. Auch Mittel wie Synthesizer und teilweise akustische Gitarren geben dem Gesamtklang eine Spur Modernität.
Die durchdachten und doch mit einer gewissen Träumerei und Verspieltheit versetzten Riffs und Gitarrenmelodien sind auch nur eins der Schmankerl dieses Albums. Besonders herausragend sind aber auch die variablen Vocals von Niilo Sevänen und auch die cleanen Background-Vocals, die dieses passende Maß an Melancholie ermöglichen.

Der über 70 Minuten lange Longplayer der Finnen strotzt vor Melodie, gefühlvolle Melancholie, Abwechslungsreichtum, Virtuosität, Hingabe und Originalität. Aber ab einem gewissen Punkt wird es mir zu anstrengend. Am Anfang ist die Lautstärke fast bis zum Anschlag hochgedreht, ab Track sieben nur noch bei der Hälfte. Dabei ist jeder einzelne Song unglaublich gut. Vielleicht ist dieses Album zu perfekt. Oder ich muss es einfach öfter anhören. Denn ich weiß, dass ich mit dem "Shadows Of The Dying Sun" genannten Werk, dessen Puzzleteile auf die beste nur erdenkliche Art und Weise ineinander passen, noch ganz lange Vergnügen haben werde.

Ich kann kaum sagen, welche Tracks zu meinen Favoriten zählen, da diese perfekt ineinander fließen oder sich ganz stark vom Aufbau her unterscheiden. Hört euch einfach das ganze verdammte Album an, es ist eins der besten des Jahres.

Wertung: 9/10
Highlights: While We Sleep, Black Heart Rebellion, Ephemeral, Shadows Of The Dying Sun