27.06.2014

Album Review | TEXTURES - Dualism

(c) Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 23. September 2011
Genre: Progressive Metal

Ich möchte lieber gar nicht wissen, was für einen Druck TEXTURES gehabt haben, was das aktuelle Album angeht. Sie hatten einen der besten Sänger der ganzen Szene, und nun musste ein neuer her, der auf dem gleichen Niveau ist. Keine leichte Aufgabe, aber die Niederländer haben eine gute Lösung gefunden. Der Ex-Cilice-Sänger Daniël de Jongh schien einfach perfekt für den Job. Blieb trotzdem noch für die Fans abzuwarten, wie TEXTURES weitergehen würden, denn auch einen neuen Keyboarder haben sie, der, wie ein neuer Sänger, einen guten Teil des Sounds verändern könnte. Nach einem so herausragendem Album wie "Silhouettes" (2008) hat man entweder riesige Erwartungen oder weiß von Anfang an, dass das nächste Album nicht besser wird. Und letzteres wussten TEXTURES vielleicht unterbewusst. Auf "Dualism" verändern sie ihren Stil zwar nicht sehr, aber trotzdem so stark, dass es jeder hört.
Ob diese Veränderung theoretisch besser oder schlechter ist, darüber kann man diskutieren. Aber eine Sache ist klar: In der Umsetzung ist sie aus ganz verschiedenen Gründen eine gute Entscheidung gewesen.
Die Veränderung macht sich schon in der Zusammensetzung der Songs bemerkbar. Während die vorigen Alben lange, dafür weniger Songs enthielten, ist "Dualism" das bis dato längste Werk. Die Tracks sind ein wenig kürzer und dafür auch ganze elf Stück.
Instrumental sowie gesanglich sind TEXTURES kraftvoller geworden. Nicht heavier in dem Sinne. Ein kleines Wenig ihrer Detailverliebtheit scheint verloren gegangen zu sein, was sich beim ersten Anhören und auch bei der Single "Reaching Home" bemerkbar macht und erst verunsichert. (Eins sei euch gesagt, "Reaching Home" ist relativ einfach aufgebaut, nicht gerade ein Vorzeigesong.) Auf eine Albumlänge gesehen ist dieser Wandel durchaus sehr positiv. Denn was soll schon eine Band machen, die drei absolut wunderbare Progressive Metal-Alben auf den Markt gebracht hat? Dieses Genre mag zwar das vielfältigste überhaupt sein, aber im Nachhinein gesehen hätte ich keinen noch komplizierteren und detailüberhäuften Longplayer von dieser Band gewollt. Es ist schön zu sehen, dass die Niederländer ihren unverkennbaren Stil auch anders verpacken können, zum Beispiel durch wuchtigere Riffs. Während frühere Werke sehr intensiv waren, sehr progressiv, sind TEXTURES im Jahr 2011 durch den Aspekt der erreichten Balance zwischen Gitarren, Gesang und Rhythmen musikalisch gewachsen.
Wegen mir kann das nächste Album wieder im "Silhouettes"-Stil sein. Aber vor allem in der Phase der Mitgliederwechsel ist es aber sicherlich geschickter, sich ein wenig vom Alten abzuwenden. Vor allem, weil Daniël de Jongh als Kalsbeek-Kopie abgestempelt werden könnte. Sie sind an sich nicht allzu verschiedene Sänger.
Es wäre nun falsch zu behaupten, dass de Jongh es nicht genau genug mit dem Gesang nehmen würde (ich spiele auf Cilice an, mein Review hier lesen). Aber seine große Stärke ist die Kraft und das Gefühl in seiner Stimme, und, nicht zu vergessen, der Wahnsinn. Während so viele Sänger versuchen, besonders gefährlich, brutal oder schlichtweg originell zu klingen, während sie ihre Idole nachahmen, singt und growlt de Jongh einfach vor sich hin, ohne sich zu verstellen. Er klingt ehrlich und natürlich. Das ist eine Facette seines Gesangs, die bei Cilice nicht in der Art und Weise zum Ausdruck gebracht wurde. (Ist jetzt aber keine Kritik an die Band. Die Band ist nicht auf solche Dinge aus. Sie spielen Math Metal und Djent. Was soll man da natürlich sein.)

Fazit: TEXTURES sind noch immer ganz weit oben im Metal, das hat sich nicht geändert durch dieses Album. Besonders viele Tempowechsel sind nicht der Schlüssel zu allem, vor allem, wenn man schon bewiesen hat, dass man es kann. Progressivität beizubehalten und Musik trotzdem in jeder Sekunde harmonisch klingen zu lassen, ist eine Kunst für sich.

Hinweis: Hier gibt es mein Single Review zu TEXTURES' "Messengers (Acoustic Live Session)", ein sehr schönes Beispiel, wie gut de Jongh Kalsbbek-Songs packt.

Wertung: 8/10
Highlights: Consonant Hemispheres, Stoic Resignation