21.04.2014

Album Review | AFTER FOREVER - Prison Of Desire

Veröffentlichung: 24. April 2000
Genre: Gothic/Symphonic Metal

Manche werden sich vielleicht fragen, warum ich eigentlich genau dieses Album noch behandeln muss, da es doch eigentlich nur kontraproduktiv für mich ist, schließlich kann man es einfach nirgends mehr für einen vernünftigen Preis kaufen. (Sorry, aber ich gebe keine 80 Euro für ein Album aus, egal, was für eine Rarität es ist. Wer dachte, dass HIMs erstes Album eine Rarität ist, der kennt "Prison Of Desire" nicht ...) Dank Youtube konnte ich es mir anhören. Und heute gibt es das Ergebnis.
Tja, also irgendwie war das ja voraussehbar, wenn man die Lebensgeschichte von Mark Jansen und Co. kennt. "Prison Of Desire" kommt um Längen nicht an "Decipher" ran und ist sozusagen die Vorarbeit für Epica.

"Mea Culpa" ist genau die Sorte von Intro, die bei Epica ständig verwendet wird. Wir alle kennen doch "Adyta", "Indigo" und so weiter und so fort. "Mea Culpa" ist genau das.

Und das Lustigste überhaupt ist ja, dass die "The Embrace That Smothers"-Reihe bei After Forever beginnt. Ich habe mich immer gefragt, warum sie bei Epica mit Part V anfängt. Und warum "Adyta" mit Zusatz "The Neverending Embrace" heißt und nicht "The First Embrace" oder "Prologue" oder so ähnlich. Ihr versteht mich. Aber wenn Herr Jansen meint, er muss das tun, dann soll er doch. Ihm sollte aber vielleicht klar sein, dass er die Songs dann covern muss, wenn er sie live spielen will, und mit Simone als Sängerin ... mir tun jetzt schon die Ohren weh. (Daran hat er wohl auch gedacht. Und deswegen hat er sie auch nur mit Floor zusammen und oder mit Laura Macrì bei MaYaN gecovert ...)

Naja, wie ihr seht, bin ich heute sehr gesprächig. Wie auch immer, die ersten vier Parts der bekannten Epica-Reihe sind auf diesem Album und diese vier Songs sind auch die besten auf dem ganzen Album, ganz dezent gesagt. Klassiker wie "Follow In The Cry" oder "Yield To Temptation" haben After Forever auch Jahre nach ihrem Debüt live gespielt.
Was auch auffällt, ist der verstärkte Keyboard-Einsatz. (Haha, bei Epica zu viel Chorgesang, bei After Forever zu viel Keyboard ...) Trotzdem klingt nicht alles gleich. Liegt auch daran, dass Floor Jansen einfach schon damals variabel war, was den Gesang angeht. Ja, das muss ich in jedem Review erwähnen. Es ist zwar kein Vergleich zu heute, aber immerhin. Das Mädel war damals 18 Jahre alt.
Insgesamt wird eine recht doomige Stimmung aufgebaut, die eher ruhig ist. Gitarren werden hier eher als Rhythmusmittel verwendet und wirklich stark zu hören sind sie auch nicht. Dafür spielen Drums, Bass und Gitarren gut zusammen und klingen richtig gelungen bei Tempowechseln. Dadurch wird es einfach nie langweilig, eine Ballade bleibt nie eine solche.
Um wieder auf die Keyboards zurückzukommen: Die wurden genial gespielt. Aber ich wundere mich nicht, immerhin war Jack Driessen dabei (MaYaN, teilweise Epica-Songwriter) und bei MaYaN macht er einen richtig guten Job.
Einen kleinen Gastauftritt hatte Within Temptation-Sängerin Sharon Den Adel auf dem Song "Beyond Me", der von der Gitarrenarbeit her sehr gelungen ist.

Nichtsdestotrotz haut mich das Album nicht um. Es ist einfach noch nicht richtig ausgereift. Es ist eben wie fast jedes Debütalbum einer Band, die aus Teenagern besteht. (Man muss sich das allerdings mal vorstellen, wie gut die waren, ich meine, ich könnte nicht, was sie konnten, obwohl ich ungefähr in dem Alter bin.)
Es klingt im Allgemeinen fast wie der zweite oder dritte Entwurf eines Buches. Zwar schon gut, mit guten Ansätzen, aber es ist noch nicht fertig.

Ich habe jetzt wirklich versucht, meine Fangirl-Attacken mal herunterzuschrauben, um dieses Album realistisch zu beurteilen. Nicht alles wird zu Gold, was Mark Jansen anfasst, und auch nicht alles, worauf Floor Jansen draufsingt, holt den Himmel auf Erden, und es ist wirklich schwierig für mich, das einzusehen.

Trotzdem sollte mal das Album öfter hören, denn es gibt durchaus sehr viele Stellen, die das Talent der Musik zeigt und einen zum Staunen bringen.

Wertung: 6/10
Highlights: Leaden Legacy, Follow In The Cry, Beyond Me

"Prison Of Desire" auf Youtube