15.04.2014

Album Review | DRAGONLAND - Astronomy

Veröffentlichung: 13. November 2006
Genre: Power Metal

Vor ein paar guten Monaten hörte ich zum ersten Mal den Song "Cassiopeia", auf dem die liebreizende Elize Ryd zu hören ist. Einmal gehört und ich konnte den Song nicht aus dem Sinn bekommen. Seit verdammten Monaten spukt er mir im Hinterkopf herum. Der Song hat einfach kein Ablaufdatum. Ich habe den Song sogar auf der Gitarre gelernt, weil ich den unbedingt mal covern wollte, mit Gesang und allem. Bei einer Schulveranstaltung. (Jetzt dürft ihr mich auslachen.)
Ich hörte mir das ganze Album "Astronomy" an und war recht enttäuscht. Ich konnte einfach nichts dran finden.
Jetzt, da ich zwei Wochen lang die Zeit dazu habe, dachte ich mir "Hey, gib dem Album noch eine Chance." Und verdammt, ich kann nur betonen, wie blöd ich vor ein paar Monaten war. Ich konnte rein gar nichts mit der Stimme des Sängers Jonas Heidgert anfangen und außerdem kennt ihr ja mein Problem mit Power Metal-Sängern allgemein.
Ich mag es eben nicht, wenn ein Sänger ständig in dieser schlimmen Falsettstimme singt. Dabei ist Jonas gar nicht schlimm.
Noch schlimmer ist doch Andi Deris von Helloween und den kann ich mir doch auch gut anhören. Ihr seht schon, ich hatte keine Ahnung.

Zwar kann ich bis heute nicht sagen, dass mich Heidgerts Stimme unglaublich umhauen würde, aber sein Gesang ist auch nicht unbedingt der Grund dafür, dass dieses Album so gelungen ist.
Wir alle kennen doch Gitarrist Olof Mörck, die meisten kennen ihn von Amaranthe, und ich lese in so vielen Reviews zu Amaranthe, dass sein Songwriting ja so uninspiriert und geklaut klingt. An alle, die diese Meinung vertreten: Hört euch Dragonland an. Er hat über die Jahre einen individuellen Stil entwickelt, den man sofort erkennt. Nicht nur als Gitarrist, aber auch als Songwriter (von ALLEN Songs, Texte und Musik), hat der gute Mann etwas drauf. Gut, man könnte schon meinen, dass er stundenlang Spiele zockt und ständig am Lesen und Filme anschauen ist (Falls man seinen Facebook-Updates Glauben schenken kann, tut er genau das.), aber das sind eigentlich die Quellen für die Story des Albums. Die Texte basieren auf Sagen und Science Fiction und gehören ohne Witz zu den besten, die ich bis jetzt gelesen habe.
Musikalisch gesehen gleicht dieses Album einer Metal-Oper, es ist theatralisch, aber nicht kitschig und auch nicht zu orchestral. Was mir am allermeisten gefällt, ist dieser Doom-Touch, den man im Power Metal eigentlich fast gar nicht findet. Was mich ja bei Power Metal eigentlich am meisten stört, ist dieser typische Rhythmus und die Gitarren, die einfach so vor sich hin scheppern (siehe "The Divine Conspiracy" von Epica und mein Review dazu) und dann diese fast fröhlichen Melodien, getoppt von Texten im Sinne von "Wir ziehen in den Krieg! Ahoi!" Ich rede natürlich vom Power Metal-Prototyp. Dragonland sind anders, dunkler, von den Riffs her progressiver und abwechslungsreicher und die haben auch ordentliche Gastmusiker wie Elize Ryd, Jake E (Amaranthe) oder Marios Ilipoulos (Nightrage). Mit diesem Album haben sie mich eindeutig für sich gewonnen. Denn sie sind sehr originell, kreativ und verstehen ihr Handwerk. Beziehungsweise versteht Herr Mörck es, gute Songs zu schreiben.

Ihr wisst ja, ich kann mich nicht so sehr für dieses Subgenre begeistern. Aber Dragonland schaffen es, mich dafür zu begeistern. Mit diesem Album werde ich wohl noch eine Weile meinen Spaß haben.
Anspieltipps sind "Astronomy", "Too Late For Sorrow", "Beethoven's Nightmare" und die "The Old House On The Hill"-Reihe.

Wertung: 7/10
Highlights: Cassiopeia, Beethoven's Nightmare, Too Late For Sorrow