14.07.2014

Album Review | SUICIDE SILENCE - You Can't Stop Me

(c) Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 11. Juli 2014
Genre: Deathcore

Die Meinungen zu SUICIDE SILENCE sind sehr gespalten und ganz ehrlich, ich kann gar nichts davon nachvollziehen. Ich kann nicht verstehen, wie man die Band bis ins Übelste zerreißen kann, aber andererseits kapiere ich auch gar nicht, wie man sie als die einzig wahre bezeichnen kann. Diese Extremen sind schon fast lächerlich und doch waren sie es, die mich dazu gebracht haben, selbst reinzuhören. Damit ich vielleicht auf irgendeine ganz subtile Art und Weise meine eigene Meinung über diese Band bilden kann. Und ihr alle bleibt nicht davon verschont.
Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir SUICIDE SILENCE sicher nicht angehört, wenn der Ex-All Shall Perish-Sänger Hernan "Eddie" Hermida nicht bei ihnen gelandet wäre. Ich war einfach gespannt, wie er bei einer anderen Band klingen würde, unter zwar ähnlichen, aber dennoch verschiedenen Umständen, einem anderen Mixing und so weiter.

Verglichen mit dem verstorbenen und weit überbewerteten Sänger Mitch Lucker ist Hermida ganz klar der bessere und vielseitigere Sänger, aber ich weiß auch, wie Hermida klingt, wenn er eine fähige Band um sich hat. Und das ist ein mächtiger Unterschied. Ich kann mir nicht helfen, denn ich werde SUICIDE SILENCE zumindest im Hinterkopf immer mit All Shall Perish vergleichen, weil mir letztere als erste Deathcore-Band bewiesen haben, dass dieses Genre nicht nur aus Krach besteht. Ich erwarte auch gar nicht, dass "You Can't Stop Me" nur ansatzweise an "This Is Where It Ends" herankommt. Und ganz ehrlich, bei allem guten Willen, das tut es auch nicht. Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund. SUICIDE SILENCE waren niemals eine sehr experimentierfreudige Band, die zwar gute Alben auf den Markt gebracht hat, aber auf dem gleichen Level stehen geblieben ist, wobei ihre Kollegen All Shall Perish eine der wohl niveauvollsten Extreme Metal-Variationen spielen, längere Songs, Klavierinterludes, Groove Metal und voll klingende Riffs inklusive (mein Review hier). SUICIDE SILENCE gehen dabei in eine andere Richtung und lassen auch mal Thrash und Mathcore durch ihre Riff-Einöde durchsickern. Sie profitieren allerdings von Hermidas Vocals und genauso scheinen sie mit dem neuen Werk mehr Abwechslung und besseres Songwriting aufzuweisen. Die Songs sind klarer strukturiert und schlichtweg klassischer, also weniger nach dem aktuellen Core-Trend. "Sacred Words" zum Beispiel ist ein relativ guter Song, nach dem anscheinend die ganze Luft leider draußen zu sein scheint. Insgesamt fehlt mir auch bei dem letzten Album etwas, woran sich meine Ohren festhalten könnten, beim mittlerweile fünften Studioalbum aber auch ein wenig Reife und Offenheit.
Und nun, langsam, aber sicher fange ich an zu verstehen, was so viele so schlimm an Hardcore gemischt mit Heavy Metal oder Death Metal finden. Und ich kann nun mit großer Sicherheit sagen, dass es kaum eine Metal- oder Deathcore-Band geben wird, die überdurchschnittlich gut ist, während ihr Core-Anteil größer ist als der Metal-Anteil. Man höre sich beispielsweise Killswitch Engage an, die mit ihren New Wave Of Swedish Heavy Metal-Riffs und fähigen Sängern unterwegs sind und seit Jahren mit unzählig guten Alben zeigen, wie es geht.

Jetzt weiß ich, was ich wissen wollte. SUICIDE SILENCE werden ganz sicher nicht meine Lieblingsband, Gott behüte, weil mich die meisten Songs nicht gepackt haben. Lediglich ihre Vocals sind verhältnismäßig gut und man kann ihnen schlussendlich nicht vorwerfen, dass sie unfähige Musiker wären. Das, was sie tun, reicht aber ganz klar nicht aus, um in der ersten Liga mitzuspielen. Sie werden allerdings so sehr gefeiert, dass sie sich wirklich keine Sorgen um ihre Existenz machen müssten. Die Amerikaner bleiben wohl einfach eine Sache für Fans und nicht für die breite Metal-Masse.

Wertung: 5/10
Highlights: Inherit The Crown, Sacred Words

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