22.02.2014

Album Review | EPICA - The Phantom Agony

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Veröffentlichung: 5. Juni 2003
Genre: Symphonic/Gothic Metal

Ja, verdammt, das muss sein. Damit ich allen klarmachen kann, wie ich zu Epica nun stehe. Wie sich das entwickeln wird, das weiß ich nicht. Aber ich höre dieses Album schon seit einer Weile und ich glaube, ich kann das hier ganz gut beurteilen.
Ein paar Fakten vorab: "The Phantom Agony" ist das erste Epica-Album. Um Epica beizutreten, hat Mark Jansen After Forever nach dem 2001 erschienenen Album "Decipher" verlassen. Wenn man sich diese beiden Alben mal anhört, merkt man sofort, dass sie zumindest zu 60% von der gleichen Person geschrieben wurden.
Nun, da gibt es aber grundlegende Unterschiede, und was Epica nun mal nicht haben, das haben After Forever: Eine sehr begnadete Sängerin. Man muss auch dazu sagen, dass Epica wie auch Nightwish Soundtrack-typische Elemente in die Metal-Musik mischen und After Forever das nicht getan haben, weil sie eine Symphonic/Gothic Metal-Band waren und das auch nicht das Konzept war.

Aber zurück zu Epica und ihrem ersten Album. Vom Aufbau her ist es ja eigentlich das schlechtere After Forever und damit hat es sich auch schon. An sich haben sie schon richtig nette Songs, die ins Ohr gehen. Ich brauch euch ja nichts von "Cry For The Moon", "Feint", "Sensorium" oder "The Phantom Agony" sagen. Sie sind insgesamt ein wenig langsamer, nicht wirklich gitarrenlastig, eigentlich auch nicht allzu schwer verdaulich oder etwas Absurdes. Aber. Große Schwächen von Epica auf diesem Album stellen 1. die Tatsache dar, dass die Chor-Sänger besser sind als Simone (ich sag ja nur Laura Macrì, Amanda Sommerville...) und sie absolut übertönen, 2. die Chöre dar, die zu viel singen, was nochmals beweist, was Simone eigentlich wirklich draufhat oder in diesem Falle eben nicht, und 3. die immergleichen Strukturen der Songs dar, die einem irgendwann auf den Sack gehen und einfach nur noch annerven, weil sich alles zu wiederholen scheint.

Keiner kann aber verweigern, dass die Songs eine bestimmte Wirkung zeigen und im Ohr bleiben, ja, teilweise sogar für Gänsehaut-Momente sorgen. Bei "Cry For The Moon" gehe ich nach wie vor fast wie bei Death Metal ab. Die Texte und die Melodien sind durchdacht und schön gelungen, die Growls sind super, wie immer und auf jedem Album, auf dem Mark Jansen als Sänger mitwirkt, aber das alles habe ich eben schon einmal gehört. Da kann der liebe Herr Jansen aber auch nichts für, der sich nun mal mit den Liebligkeiten im Metal aufhält, seitdem sein ursprüngliches Symphonic Death Metal-Projekt After Forever durch die damals 18-jährige Floor Jansen zu Gothic gemacht wurde und seine Freundin irgedwann zum Mikrophon griff und er mit ihr, obwohl sie sich getrennt haben, noch immer in einer Band spielt. Immerhin hat er seit 2010 MaYaN und kann endlich wieder dem Metal gerecht werden, wie er das ursprünglich seit 1995 vorhatte, was?

Nein, ohne Witz jetzt. Das erste Album halte ich noch für eher schwach, auch, wenn es schon sehr anziehend ist. Es ist eben wie Amaranthe, man weiß, dass da tausend Schwächen hinter stecken und irgendwas ist trotzdem daran. Aber im Gegensatz zu Epica mag ich bei Amaranthe vor allem den Gesang, was ich hier wirklich nicht behaupten kann. Ernsthaft jetzt. Nachdem man einmal ein paar richtige Mezzos oder Sopräne im Metal gehört hat, ist Simone ein schlechter Witz. Aber sie hat sich gebessert, das muss man ihr lassen.
Sie klingt nicht dissonant oder gar unausgebildet wie Amy Lee, aber sie nervt manchmal ziemlich, wenn sie ihre gepressten, auf Teufel komm raus obligatorisch klassisch gesungenen Töne in höheren Lagen von sich gibt. Ihre Stimme ist in tieferen Lagen wirklich schön, kraftvoll und melodisch, das lasse ich ihr und das gebe ich gerne zu. Aber für Symphonic Metal muss man eben bestimmte Skills besitzen, die sie nicht hat.
Und obwohl es zu "The Phantom Agony" eigentlich nicht allzu viel zu sagen gibt, wurde das hier trotzdem ungemein lang. Entschuldigt bitte. Aber eine 5/10-Bewertung muss ich justifizieren. Und ich kann das ganze Review auch noch in einem Satz zusammenfassen: Das hier ist purer Durchschnitt.

Hört euch auf jeden Fall mal "Feint", "Sensorium", "The Phantom Agony" und "Cry For The Moon" an, weil die Songs die besten des Albums sind. Der Rest scheppert nur so vor sich hin. Steinigt mich. Na los.

Wertung: 5/10
Highlights: Sensorium, Feint, Facade Of Reality, Cry For The Moon