23.03.2014

Album Review | AFTER FOREVER - Decipher

Veröffentlichung: 2001
Genre: Symphonic/Gothic Metal

Dieses Album ist so unglaublich wunderbar. Und ich kann kaum glauben, dass ich es vor einiger Zeit nicht mochte. Aber da hatte ich auch keine Ahnung von Mark Jansen. (Lobe ich den Typen zu sehr?)

"Decipher" heißt das zweite Album der Niederländer After Forever und ich kann euch eins sagen: Nach einem Durchgang wird wohl kaum einer sagen "Jap, das ist DAS Album." Mein erster Gedanke war eher, als ich es mir vor Kurzem wieder anhörte "Was habe ich mir gerade bloß angehört?!"und das Zeug macht süchtig.

Ich tue mir trotzdem schwer, dieses Werk zu beschreiben. Aber ich werde es versuchen. Stellt euch Epicas "The Phantom Agony" vor, nur gitarrenlastiger mit abwechslungsreichem Gesang und kaum Chören, dazu der Songaufbau von MaYaNs "Antagonise", nur weniger bombastisch.
Dazu mischt ihr orientalische Klänge und ein bisschen Lieblichkeit. Und jetzt noch ein wenig Wahnsinn. Dann habt ihr dieses Album.

Ich bin jedes Mal aufs Neue verwundert, wie wunderbar die Melodien zusammenpassen. Das Intro "Ex Cathedra" ist das absolut Schönste, was ich nach "Black Symphony" gehört habe. Kein Song ist zu lang oder zu kurz geraten, cleaner Gesang, Growls und Gastvocals sind in der perfekten Balance. Heavy Songs wechseln sich mit wunderschönen Balladen ab, und ein Cover ist hier auch vorhanden, nämlich Queens "Who Wants To Live Forever", das sehr gelungen ist.

Schon mit 20 Jahren konnte Floor Jansen mit sehr gutem Gesang überzeugen und mischte klassischen Gesang mit Belting. Wenn man bedenkt, dass sich damals so gut wie kein Sopran im Metal von seiner dramatischen Opernstimme getrennt hat, war Floor sehr fortschrittlich. Vor allem nach einer klassischen Ausbildung ist es schwierig, Belting zu erlernen. Und das wäre auch der einzige Kritikpunkt für dieses Album. Der Song "Zenith" sollte ja recht heavy werden und in dieser Nummer gibt es eine recht unpraktische Gesanglinie für Belting, bei der man merkt, wie sich Floor sehr anstrengen musste, um die Töne in diesem Stil zu singen. Und das klang damals echt nicht allzu gut.

Ein Naja-Song macht aber gar nichts, wenn man den zweiteiligen Song "My Pledge Of Allegiance" hat, einmal "The Sealed Fate" und "The Tempted Fate", der die Geschichte einer Frau im Orient erzählt, die der Unterdrückung ein Ende machen will, von zu Hause flüchtet und wie ihr Plan scheitert. Die Story wurde perfekt umgesetzt und ich kann die Songs nicht oft genug hören.

Ich verstehe ernsthaft nicht, warum man After Forever damals nicht mit Preisen überhäuft hat. Wirklich nicht. Warum sie nicht als Headliner getourt sind und nicht bloß als Support für Nightwish. Warum After Forever eigentlich nie richtig groß geworden sind und nur in der Symphonic Metal-Szene von den richtigen Kennern gehört wurden. Zu wahnsinnig gut? Das muss es sein.
Das hier ist ganz klar ein Meisterwerk und ein Klassiker der 2000er.

Wertung: 10/10
Highlights: Jeder. Verdammte. Song.