01.05.2014

Album Review | EPICA - The Quantum Enigma

(c) Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 2. Mai 2014
Genre: Symphonic Metal

Eigentlich war mein Plan, dass ich erst Reviews zu "Design Your Universe" und "Requiem For The Indifferent" schreibe und mich mal wieder so richtig über Epica auslasse, aber da hat mir die Zeit und "The Quantum Enigma" einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun ja, macht nichts. Jetzt bringt es eh nichts mehr.
Ich habe so gehofft, dass "The Quantum Enigma" gut wird und verdammt, es ist gut. Ich hatte ja zugegeben so meine Bedenken, dass es wie "Design Your Universe" oder "Requiem For The Indifferent" wird, beides Alben, die ich bis auf einige Songs nicht wirklich anhören kann. Aber wenn doch "Antagonise" (mein Review hier) so gut war, dann ist es doch eigentlich fast unmöglich, dass "The Quantum Enigma" schlecht wird.
Hier haben wir zwar noch immer die altbekannten Zutaten für ein Epica-Album, da hat sich nichts geändert. Aber Epica sind auf diesem Album abwechslungsreicher denn je.
Dass die Niederländer eigentlich schon immer recht kreativ waren, was ihr Songwriting angeht, ist richtig, aber wie schon oft in Reviews erwähnt, hat mich die Umsetzung dieser Ideen nie richtig umgehauen, aber trotzdem immer verfolgt. Ich wusste, dass sie es können. Und ich wusste auch, dass Simone Simons das Beste aus ihrer Stimme holen kann mit der Zeit.
Und jetzt sitze ich hier und bin froh, dass ich Epica loben kann. Zwar habe ich sie bis jetzt auch gerne kritisiert, ich sadistischer Fiesling, aber ihr wisst ja alle, dass ich sehr gerne lobe.

Zum ersten Mal seit über zehn Jahren Bandbestehen haben Epica es geschafft, die orchestralen und klassischen Elemente, ihr "Beauty and the Beast"-Konzept und die Lieblichkeit und Süße der Melodien mit der Härte des Metals richtig zu verbinden. Die richtige Spannung, die mir bis jetzt immer gefehlt hat, ist endlich da, außerdem sind die Songs progressiver denn je, während das Album so viele Tempowechsel hat, dass mir regelrecht das Herz aufgeht. Vom Aufbau her ähneln manche Songs schon sehr MaYaNs "Antagonise", aber das ist irgendwie schon klar. Trotzdem sind Epica anders. In jedem Song haben wir Passagen, die fast an Death Metal grenzen und dann wieder einen akustischen Part mit weichen und gefühlvollen Vocals. Das eine oder andere Gitarrensolo ist auch zu hören, während die Drums einfach genial gespielt werden. Dieses Doublebass-Drumspiel wird mich wohl noch einige Zeit lang verfolgen. Ich mag es wirklich gerne, wie jeder Song sozusagen so klingt, als würde er aus vielen anderen Songs zusammengeflickt worden sein, ohne, dass die Übergänge unnatürlich klingen.
Ich bin so glücklich über die Vocals, wirklich. Ich hatte eigentlich die meiste Zeit ein Problem mit Simones hohem Gesang, auf diesem Album allerdings singt sie ein wenig tiefer in einer schönen Mischstimme und manchmal verwendet sie auch Belting, was mir viel mehr zusagt. Zwar gibt es noch immer ein paar Stellen, die ich als zu hoch für ihre Stimme empfinde, aber ich glaube auch, dass der Gesang noch weiter ausbaufähig ist.
Mark Jansen ist zwar nicht sehr viel zu hören, aber da, wo er zu hören ist, brilliert er mit seinen Grunts wie eh und je.

Eins der schönsten Tracks auf dem ganzen Album ist "The Fifth Guardian", ein sehr gelungenes Interlude, das irgendwie so gar nicht nach Epica klingt und doch irgendwie schon. Erinnert mich ein wenig an Nightwish, muss ich zugeben. Besonders herausragend ist der Übergang zu "Chemical Insomnia".
So gut wie jede orchestral gespielte Melodie strotzt nur so vor Gefühl und bleibt im Kopf hängen.
"Canvas Of Life", die einzige Ballade des Albums, hat mich als Akustik-Version nicht umgehauen, aber als Studioversion ist sie wirklich schön geworden.

"The Quantum Enigma" stellt ein abwechslungsreiches und virtuoses Werk dar, das ich so nicht erwartet hatte. Epica haben endlich aus ihren Schwächen gelernt und haben diese in Stärken umgewandelt. Trotzdem haben sie nicht aufgehört, die Musik zu machen, die sie schon immer gemacht haben und die schon immer einen gewissen Reiz für mich hatte. Mit ihrem neuen Longplayer nehmen sie uns auf eine epische, 70-minütige Reise mit. Meine absoluten Lieblingstracks sind "Chemical Insomnia", "Victims Of Contingency", "The Fifth Guardian" und "Unchain Utopia". Freut euch also auf morgen, liebe Leute, falls ihr vorbestellt habt und das Album bei euch im Briefkasten liegt. Denn alle, die die letzten beiden Alben nicht mochten, werden beim Anhören von "The Quantum Enigma" aufatmen.

Wertung: 8/10
Highlights: Victims Of Contingency, The Fifth Guardian + Chemical Insomnia, The Quantum Enigma - Kingdom Of Heaven II, Unchain Utopia

Ähnliche Reviews:

EPICA | The Divine Conspiracy
MAYAN | Antagonise
STREAM OF PASSION | A War Of Our Own